4/28/2010

OREOS WILL BE MY DEATH


Es war als eine kleine Randbemerkung gemeint, was meine Schwester da gestern Abend während unseres Telefonates sagte. Aber ihre unsentimentale Aussage setzte mich kurz außer Gefecht: "Irgendwie redest du immer nur übers Essen." Autsch.
War ja klar, dass dieser Satz mal kommen musste. Denn während sie mir von Schulerlebnissen, Liebesdramen und seifenopernmäßigen Zickenkriegen erzählt, prahle ich regelmäßig von meinen neuen Ess-Eroberungen - und ihre Konsequenzen. Zu meiner Verteidigung: Es ist nicht leicht, alleine zu wohnen. Keine gierigen Familienmitglieder, die was von deinem Kuchen abhaben wollen und keine Mutter, die die Kekspackung gerecht aufteilt und den Rest in Sicherheit verwahrt. Ich muss jetzt die Selbstdisziplin aufbringen und mir mein Essen "mit Verstand rationalisieren", wie es offenbar auch Julia Stelzner schon schwer fällt. Und dass dies nicht immer gelingen mag, liegt doch nicht an mir, sondern an den verführerischen, großen Packungen!
Die Fotografin Daniela Edburg würde mir da aber widersprechen: "There's only your own dark side. The cake is not really to blame." Mit ihrer Serie "Drop Dead Gorgeous" zeigt sie uns unser Verhältnis von Liebe und Hass am Beispiel von Nahrungs- und Schönheitsprodukten:

"When you look at a beautiful package of Oreos everything is new and shiny and attractive, and there is the promise of the sweetness and the pleasure, and then you go and open it and eat it and all you have are a stomachache, crumbs and garbage."

Abgesehen von meinem Image als festgefahrene Gesprächspartnerin, hat meine Süßigkeiten-Sucht auch schon für besorgniserregende Blutwerte gesorgt. Daniela Edburg scheint zu ahnen, wohin das führen kann:


Death by Oreos, 2006

Whistlers Mutter, 1871


Death by Nutella, 2001

Death by cake, 2005

Death by cotton candy, 2006

Death by M&M’s, 2006

Death by Bananas, 2006

Szene aus Hitchcocks THE BIRDS, 1963.


Death by Slim Fast, 2006 (Bei dem Versuch, den Süßfrass zu kompensieren.)

Inspirationsquelle: Der Tod des Marat, 1793


Das vollständige Interview mit Daniela Edburg und weitere Bilder auf The Morning News.
via Julia Stelzner


4/27/2010

NUOVO CINEMA PARADISO | FINE


Am Ende des Films CINEMA PARADISO lässt Toto eine alte Filmrolle abspielen, die sein Freund Alfredo kurz vor seinem Tod für ihn zusammengeschnitten und ihm hinterlassen hat. Neben einer Aufnahme seiner alten Jugendliebe findet er darin all die vielen, verlorenen Szenen wieder, die der Pfarrer zu zensieren befahl und die Alfredo heimlich aufbewahrte. Das Opfer strenger katholischer Moral waren etwas nackte Haut und leidenschaftliche Küsse.
Diese letzte Filmszene gibt einem wirklich den Rest!




















Hier die Szene als Video.

NUOVO CINEMA PARADISO [1988]


Für CINEMA PARADISO (schön italienisch ausgesprochen, Tschinema) braucht man einen überdimensionalen Bildschirm und einen einsamen, dunklen Raum, damit man völlig mit den Bildern verschmelzen kann.
Giuseppe Tornatore erzählt die Geschichte einer unkonventionellen Liebe, aber unkonventionell nur, weil sie als solches in der Regel nicht wahrgenommen wird: das Kino.

In einem sizilanischen Dorf freundet sich der kleine Toto mit dem Filmvorführer Alfredo (Philippe Noiret) an und lernt von ihm alles über Filme, das Kino und die Frauen. Die Rahmenhandlung bildet seine Rückkehr ins Dorf, als er nach dreißig Jahren als etablierter Regisseur zur Beerdigung Alfredos zum ersten Mal wiederkommt und sich schlagartig an all die schönen und schmerzhaften Momente seiner Kindheit erinnert.
Für Nostalgiker ist der Film wahrlich paradiesisch und seine Melancholie wird mit der Musik von Ennio Moricone perfekt untermalt. Und im Booklet der Focus-DVD-Edition schreibt Harald Pauli:

"Zu den drei Ks der katholischen Klein-Gesellschaft kommt neben Kirche, Küche und Kinder noch ein viertes: das Kino. Dort wird geweint und gelacht, mitgefiebert und erschrocken weggeschaut, lauthals kommentiert und leise geträumt."

Es heißt, man wisse zwar nicht, welches Lied das erste war, das man gehört hat, aber jeder Mensch könne sich an seinen ersten Kinobesuch erinnern. Und wer sich ganz Amélie-mäßig im Kino gerne nach den anderen Zuschauern umdreht und sie beobachtet, ist ganz erstaunt darüber, wie gefesselt sie von der Leinwand sind, als seien sie selbst ein Teil des Films. Auf jeden Fall scheint die Uhr im Kino still zu stehen und in CINEMA PARADISO wird sie sogar zurückgedreht und man hat das Gefühl, selbst im sonnigen Sizilien aufgewachsen zu sein.



Das Cinema Paradiso muss viel erleiden: 1.Ende der 1940er-Jahre 2.Nach einem Brand 3.Nuovo Cinema Paradiso - nach dem Wiederaufbau 4.In den 1980er Jahren völlig heruntergekommen und leerstehend, Multiplexkinos beherrschen jetzt den Markt.



Buster Keaton schmückt den Vorführraum.
Genauso wie Clark Gable, Greta Garbo oder Erich von Stroheim.

Die Reflexion sieht aus wie Zauberei... Magie liegt in der Luft (haha).

Diese Aussicht kann man auch hier in Berlin im Tacheles genießen, wenn abends Filme auf die leere Gebäudewand gegenüber projiziert werden. Zwar ohne Ton, aber es hat auch etwas bezauberndes.


Das neue Tschinema ist innen etwas steril...


Brigitte Bardot in ET DIEU… CRÈA LA FEMME [UND EWIG LOCKT DAS WEIB].

Solche Figuren wie Alfredo, die dem Protagonisten auf ihrem Weg begleiten, tauchen in Geschichten und Filmen immer wieder auf. In der fünften Klasse schrieb ich mal in einer Deutsch-Arbeit darüber, dass wir uns doch alle wünschen würden, in unserem Leben gäbe es so einen treuen Freund, der über den Dingen steht und uns weise den Weg weist. Meine Lehrerin, die das Leben gerne überinterpretierte, schrieb dadrunter: "Damit solltest du vielleicht mal mit deiner Mutter reden."

Totos Jugendliebe.



Guckt er in die Kamera?

Man beachte die Werbeplakate, wie die von Guerlain.

Totos Jugendliebe rechts auf Zelluloid - ungealtert und immer noch wunderschön, eben konserviert. Links das Spiegelbild von Toto - aaaalt.
Stills © Cinema Nuevo Paradiso



Gut, dass es schon bald Mai ist. Da startet nämlich offiziell die Freiluftkino-Saison in Berlin!