"Vom Drogenopfer zum Drogenstar" betitelte der Spiegel einst den Werdegang Christane Felscherinows. Es ist bizarr, dass Christianes Geschichte als Abschreckung dienen soll, gleichzeitig aber eine solch anziehende Wirkung ausübt. Und es muss wieder die Tat der Schönheit sein, die uns so täuscht. Wir lesen von Christianes Erlebnissen und Erfahrungen und ekeln uns vor den Details und dann sehen wir uns plötzlich Bilder und Videoaufnahmen vom selben Mädchen an, sehen die großen Augen, den unschuldigen Gesichtsausdruck, die vollen Lippen... und wir staunen darüber, dass dieses "Drogenopfer" nicht unseren Vorstellungen eines Opfers entspricht!
Nur zwei, drei Jahre nach der Veröffentlichung der Reportage durch den Spiegel verfilmt Uli Edel die Geschichte mit Natja Brunckhorst in der Rolle der Christiane F.. Er zeigt trostlose, aber poetische Bilder von West-Berlin, thematisiert Gefühle, die allen Jugendlichen nur zu bekannt sind, ob mit oder ohne Drogen, und schmückt das ganze auch noch der wundervollen Musik eines Gottes (ja ja, ich bin Bowie-Fan, erschießt mich) und hippen Kostümen. Und da soll man versuchen, den Film nicht zu hypen? Ich kann nicht, ich liebe den Film und liebe seine düstere Atmosphäre und liebe Natja Brunckhorst mit ihren langen, glatten Haaren und den noch längeren, schlacksigen Beinen...


Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen dem Look der Christiane aus dem Film und dem der realen Christiane. Dahinter steckte Myrella Bordt, von der ich leider nicht mehr erfahren kann, als dass sie mit dem ehemaligen Leichtathlet Edwin Moses liiert ist. Während die wahre Christiane einen Hang zum Punk pflegte, wird ihr Stil im Film romantischer und viel kindlicher dargestellt. Ihre engen Jeans betonen ihren kindlichen Körper, ihre langen Haare wirken fast engelhaft und für ihren omnipräsenten Beutel mit den flachen Schuhen darin, damit Mami nicht merkt, dass sie Absätze trägt, dafür möchte man sie am liebsten küssen!



An ihrem 14.Geburtstag färbt sich Christiane im Film die Haare rot. Ein gutes filmisches Mittel einerseits, um mit Hilfe der Ansatzlänge darzustellen, wieviel Zeit vergangen ist. Oder das Verblassen des Rots als Darstellung des Verblassens der anfänglichen Euphorie. Aber auch der Przess der Veränderung an sich. Für Christiane beginnt ein neuer Lebensabschnitt, wenn auch ein fragwürdiger, aber sie ist verliebt (oh, rot!) und fühlt sich erwachsen und kann ihre Haare nun verändern, wie sie es will! Auch im realen Leben vollzog sich Christiane einer haarigen Veränderung: eine Seitenrasur (siehe Bilder ganz unten). Und auch hier wird wieder der stilistische Unterschied zwischen Punk (reale Christiane) und Romantik (fiktive Christiane) deutlich hervorgehoben.





Weniger filmisch bedeutend, aber genauso cool sind die Jacken, die Christiane im Film trägt. Dazu fällt mir nicht viel ein, ich find einfach nur jede einzelne toll und muss sicher nicht betonen, wie sehr ich ihre Bowie-Jacke haben will!



Weil offenbar die gesamte Berliner Drogenszene stylisch war (ich sag ja, bizarr), hier noch ein paar Bilder von Detlef, Babsi und den anderen Weggefährten Christianes:



CHRISTIANE FELSCHERINOW


11 Responses so far.

  1. postBlue says:

    ich liebe, liebe, liebe den film und seine ästhetik. danke für diese fantastische posting-serie!

  2. katja says:

    super beitrag mal wieder :)

    auch sehr auffällig wie ihre roten haare gegen ende nur noch fettig, ungekämmt und strähnig aussehen. während ich sie am anfang noch zu meinem neuen frisurenvorbild küren wollte.

  3. sandra says:

    Schöner Post! Aber war es nicht der Stern, der die Geschichte veröffentlich hat?

  4. Sienna says:

    ja ich dachte auch, dass es der Stern war...

  5. Anonym says:

    ..ein absolut schwachsinniger post!
    über die unsinnigkeit und fehlende qualität des films braucht man sich schon lange nicht mehr zu unterhalten. dass wir uns nun über die modischen highlights von grundsätzlich schlecht dargestellten drogenabhängigen jugendlichen unterhalten, finde ich absurd.
    noch dazu schlecht recharchiert..ich finde es gibt auf dem filmmarkt ausreichend stoff für modische analysen.

  6. Ich liebe den Film auch! Die "echte" Christiane wird ja immer mal wieder von Stern TV (glaube ich) begleitet. Jetzt kam aber schon sehr lange nicht mehr.
    Und über die Bowie-Jacke braucht man wirklich nicht zu diskutieren.

  7. @Sandra: Ja, der Stern natürlich, danke für den Hinweis!:) Ich hab das wohl automatisch durch die Ausschnitte der Spiegel-Reportage auf YouTube so eingetippt...

    @Anonym: Danke.:)

  8. Nike says:

    Danke für den tollen Post! Die Bowie-Jacke.. . jahaa!

  9. Anonym says:

    Wenn ihr die heute mal sehen würdet, denn sie rennen auch heut noch, am Kotti rum, würde sie keiner wieder erkennen und diese pseudo Verherrlichung,würde dann mal sein wahres Gesicht zeigen.Ihr seid doch alle krank wenn man so ein elend auch noch cool findet.Anstatt sich um den Style zu scheren, sollten ihr lieber mal schauen wie man hier und da mal einen Obolus springen lassen kann. Ihr Narzisten.

  10. René says:

    "...für ihren omnipräsenten Beutel mit den flachen Schuhen darin, damit Mami nicht merkt, dass sie Absätze trägt..." - diese Plastiktüte ist ihr Junkie-Beutel und vielleicht hat sie darin in den ersten Filmminuten Mamas geborgte, hohe Schuhe, danach mit Sicherheit vor allem ihre Shootgun & Co.
    Der abgefuckt-Ästhetik von diesem Film sind damals (und noch heute) tausende von jungen Leuten verfallen.
    Und zwar teilweise so sehr, dass der Film seine abschreckende Wirkung völlig verlor und eine derart grosse Faszination ausübte, dass er eher "triggernd" wirkte und vor allem Jugendliche letztendlich tatsächlich zum Heroinkonsum animierte. Von Junkies aus dieser Episode hört man nicht selten: "Ich hab diesen Film gesehen. Ich fand das überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil. Ich wollte auch so sein."
    Das Krasse ist, dass der ganze Stil des Filmes so modern ist (jetzt mehr denn mehr, mit dem 80ies Comeback), dass er fast schon von heute sein könnte - und das gilt vor allem auch für den Look von Christiane F. im Film.
    Sie hat genau die Figur, die man auf allen grossen Laufstegen dieser Welt sieht, sie ist die perfekte Verkörperung einer Kindfrau und ihre Outfits wären zum Teil Eins zu Eins heute genau so tragbar und super angesagt!
    Die Inszenierung von ihr als stylische, rebellische Junkie-Lolita, die selbst dann noch "schön" ist, wenn sie völlig kaputt ist, ist eigentlich total krank - und vor allem hat es mit der eigentlichen Realität nichts zu tun.
    Drogensucht ist weder romantisch, noch stylisch, noch cool - sondern einfach nur Scheisse hoch Drei.
    Vor allem aber sollte man sich auch Folgendes vor Augen halten: Der Film ist nach knapp eineinhalb Stunden zu Ende und für den Zuschauer ist die Geschichte, auch das Leid, somit "zu Ende". Die echte Christiane F. steckt auch heute, dreissig Jahre später, immer noch im Drogensumpf fest, immer noch wird ihr Alltag von dieser Droge dominiert und sie wird es wohl nie schaffen, sich von diesen Fesseln zu lösen und wirklich frei zu sein.

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